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Opferschutz: erfolgreiche Beendigung der Fachkräftefortbildung häusliche Gewalt&Täterarbeit in Peru



Gemäß Statistik erleben in Peru acht von zehn Frauen häusliche Gewalt. Das sind erschreckende Zahlen. Für mich, Fachkraft für Täterarbeit, sowie Stefan Martin vom mannebüro züri, ist Täterarbeit mit der beste Opferschutz. Nur ist dies bei den zuständigen Stellen in den Ministerien und Gemeinden in Peru kaum bekannt. Das wurde mir bei meinem letzten Besuch im April 2022 sehr bewusst. In Kooperation mit dem mannebüro züri hatte ich jetzt die Möglichkeit eine zweiwöchige Fortbildung zu häuslicher Gewalt und Täterarbeit für Fachkräfte durchzuführen. Das Angebot stieß auf großes Interesse. Es nahmen 15 Personen (das team der Estacion Esperanza sowie externe Fachpersonen wie Psychologinnen, Schulleiter usw.) am Präsenzunterricht und etliche mehr via Video teil. Am Wochenende kamen um die 30 Teilnehmenden ins Projekthaus und nahmen an den zwei intensiven Tagen persönlich teil. Diejenigen, die von weit herkamen, übernachteten in den einfachen Schlafräumen des Projekthauses.


Auf Samstagnachmittag hatten wir einen der wenigen einheimischen Psychologen mit Erfahrung in Täterarbeit eingeladen. Er, als Peruaner, war für eine Vertiefung in der Gender-Thematik besonders geeignet. Er ist erfahren mit der Macho-Mentalität der peruanischen Männer, die mit Gewalt ihre Dominanz über die Frauen ausüben. Seine Beispiele wie z.B.: Ein Mann geht Nachts in eine Bar und sieht dort eine Gruppe von acht Frauen. Er fragt: «Chicas (Mädchen), was macht ihr hier um diese Zeit so allein?» Das Diskussionsthema: Wer ist denn in dieser Situation allein? Es war für mich sehr interessant wie der fachliche Diskurs in Peru zum Thema Gender ist und ich habe sehr aufmerksam zugehört und die Interaktionen beobachtet. Als kleines Bonbon habe ich mir folgendes erlaubt:



Das hat für viel Verwirrung und Gelächter gesorgt!


In Peru ist soziale Gewalt (Gewalthandlungen zur Einschränkung des sozialen Lebens, wie das Verbot oder die Kontrolle von Familien- und Außenkontakten) nicht als eigentliche Gewaltform anerkannt. So stufen viele Frauen das Verbot ihres Mannes, sich außerhäusig zu treffen oder die Kontrolle verbunden mit Drohungen über ihr Handy nicht als Gewalt ein. Großes Thema ist hier der Mikromachismus, Gewalt durch Kontrolle, die sehr unauffällig beginnt und oft in Femiziden (Tötung der Frau durch den (Ex-) Partner) mündet.


Schwieriger ist die praktische Umsetzung der Täterarbeit. Wo kann man mit gewaltausübenden Männern einen Kurs durchführen und wie können sie gut erreicht werden? Häusliche Gewalt wird als persönliche Angelegenheit angesehen und was in der Familie passiert ist persönlich und tabu. Noch vor dem Kurs haben wir eine politische Gemeinde esuchen. Der Bürgermeister ist sehr interessiert an der Thematik. Er ermöglichte einigen Mitarbeitenden während der Arbeitszeit die Teilnahme an der Fortbildung. Er ist zudem geneigt, zusammen mit uns ein Pilotprojekt durchzuführen - Einzelsessionen oder Gruppenkurs mit Gewalttätern. Am 21.07.23 haben wir dann am ersten Runden Tisch häusliche Gewalt teilgenommen, auch dort hat der Bürgermeister großes Interesse an einer Kooperation gezeigt.

Wir sind sehr gespannt wie sich die weitere Arbeit zum Thema häusliche Gewalt in Ventanilla entwickelt und hoffen auf eine weitere konstruktive Zusammenarbeit mit der Gemeinde.


Jetzt starte ich nach so intensiver und z.T. sehr herausfordernde Arbeit in meinen wohlverdienten Urlaub in den Süden Perus! Die Finanzierung des Projektes ist nun abgeschlossen, dennoch hoffe ich, dass ich auch im Jahr 2024 wieder nach Peru reisen kann, um das Team der Estacion Esperanza in der Arbeit häusliche Gewalt zu unterstützen und geknüpfte Kontakte zu vertiefen und auszubauen. Meine Vision ist es ein Frauen- und Kinderschutzhaus in Ventanilla zu eröffnen, denn das gibt es hier weit und breit nicht.


Wie war das? Der Glaube versetzt Berge! Ich bin mir sicher!


No somos Invisibles“ – wir sind nicht unsichtbar!











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