Restorative Justice und Prävention in Kunst und Kultur braucht Räume und manchmal beginnt alles mit einem „PLATZ.“
- 6. Juli
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Aktualisiert: vor 4 Tagen

Anfang Juli habe ich an der Fachtagung „PERSPEKTIVWECHSEL- Kreative Konzepte und nachhaltige Wege im Strafvollzug“ des Projekts Theater hinter Gittern am Theater Konstanz teilnehmen. Zwei Tage voller Begegnungen, inspirierender Vorträge, kreativer Impulse und spannender Diskussionen. Als Restorative Justice- Praktikerin beschäftige ich mich seit vielen Jahren mit der Frage, wie Gewalt verhindert werden kann, wie Gesellschaft Straffälligkeit begegnen kann, nicht durch Abschreckung oder Sanktionen allein, sondern durch Beziehung, Verantwortung, Perspektivwechsel und die Stärkung von Empathie.

„PLATZ.“ ist weit mehr als eine Theateraufführung. Es ist ein mobiles Gewaltpräventionsstück, das alltägliche Situationen aufgreift, in denen Ausgrenzung, Gruppendruck, Grenzverletzungen und Gewalt entstehen können. Das Stück verzichtet auf einfache Täter:in- Betroffenen- Zuschreibungen und zeigt stattdessen die Dynamiken und biografische Inhalte hinter Konflikten und Gewalt. Es lädt dazu ein, die Perspektive aller Beteiligten einzunehmen und sich mit der eigenen Haltung dazu auseinanderzusetzen. Genau darin liegt für mich auch die Kraft der Restorative Justice und von Gewaltprävention: Menschen erleben, was ihr Handeln bei anderen auslösen kann, und entwickeln Empathie und Verantwortungsbewusstsein. Theater schafft hierfür einen Erfahrungsraum, den reine Wissensvermittlung kaum erreichen kann. Auch die weiteren Programmpunkte machten den Titel der Tagung erlebbar.
Besonders Spass hat mir auch der Hip-Hop-Workshop gemacht. Anfangs vielleicht etwas ungewohnt, entwickelte sich daraus eine Erfahrung, die mir zeigte, wie Bewegung, Rhythmus und gemeinsames Ausprobieren Menschen miteinander verbinden können. Es ging nicht um Perfektion, sondern darum, sich auf Neues einzulassen, Hemmungen abzubauen und Gemeinschaft zu erleben. Ein Perspektivwechsel, der nicht über Worte, sondern über den Körper erfahrbar wurde.

Sehr inspirierend war für mich außerdem der Vortrag zum Good Lives Model #AFiK Dieser aus der forensischen Psychologie stammende Ansatz richtet den Blick nicht ausschließlich auf Risiken und Defizite, sondern auf die Frage: Wie kann ein gutes, sinnerfülltes und straffreies Leben gelingen? Anstatt Menschen vor allem über ihre Straftat oder ihre Risiken zu definieren, werden ihre Stärken, Ressourcen, Lebensziele und grundlegenden menschlichen Bedürfnisse in den Mittelpunkt gestellt. Das entspricht in vielerlei Hinsicht auch meinem Verständnis einer traumainformierten restorativen Praxis: Nachhaltige Veränderung entsteht dort, wo Menschen echte Perspektiven entwickeln, Verantwortung übernehmen und Unterstützung erhalten, um ein gelingendes Leben aufzubauen.
Neben diesen und weiteren Impulsen bot die Fachtagung zahlreiche Möglichkeiten zum fachlichen Austausch. Bereichernd waren die Gespräche mit Kolleg:innen aus Justiz, Wissenschaft, Sozialer Arbeit, Therapie und Kultur. Diese unterschiedlichen Perspektiven machten mir deutlich, dass erfolgreiche Resozialisierung nur gemeinsam gelingen kann. Kunst und Kultur im Strafvollzug sind dabei keine Randthemen. Sie schaffen Begegnung, fördern Selbstreflexion und eröffnen neue Handlungsspielräume sowohl für inhaftierte Menschen als auch für Fachkräfte im Vollzug.
Eine ganz besondere Freude war es für mich, diese Tagung gemeinsam mit meiner Tochter zu besuchen. Es war schön zu erleben, wie sehr auch sie den Gedanken des Perspektiv-wechsels aufgenommen hat. Die Offenheit der Veranstaltung, die kreativen Formate und die Begegnungen haben ihr sichtbar Freude bereitet. Unsere Gespräche auf der Heimfahrt haben mir noch einmal gezeigt, dass Themen wie Empathie, Verantwortung und gesellschaftlicher Zusammenhalt Menschen jeden Alters und Profession bewegen können.
Mein herzlicher Dank gilt dem Team von #TheaterhinterGittern am Theater Konstanz für diese hervorragend organisierte Fachtagung sowie allen Referierenden und Mitwirkenden.
Für mich war das weit mehr als eine Fachveranstaltung. Es war ein Ort des Dialogs, der Kreativität und der Hoffnung. Es hat gezeigt, dass Resozialisierung dort gelingt, wo Menschen bereit sind, neue Perspektiven einzunehmen.
Ich freue mich schon aufs nächste Jahr!









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