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Erasmus+Projekt "Common Ground": Restorative Justice im europäischen Strafvollzug stärken

vor 39 Minuten
2 Min. Lesezeit
Bild: AI generiert
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Wie kann Restorative Justice im Strafvollzug stärker verankert werden? Was bedeutet eine restorative Haltung im beruflichen Alltag von Justizbediensteten? Welche Möglichkeiten eröffnet sie, und wo liegen ihre fachlichen, ethischen und institutionellen Grenzen?

Mit diesen Fragen beschäftigen wir uns im europäischen Erasmus+-Projekt „Common Ground“, das ich gemeinsam mit Interchange und der spanischen Organisation Asociación para la Mediación, el Encuentro y la Escucha umsetze. Das Projekt richtet sich an Fachkräfte der Justiz und Erwachsenenbildung, die sich mit Restorative Justice im Strafvollzug auseinandersetzen möchten. Ziel ist es, ein fundiertes Verständnis restorativer Prinzipien zu fördern, berufliche Rollen und Verantwortlichkeiten zu klären und Möglichkeiten aufzuzeigen, wie diese Prinzipien im bestehenden Arbeitsalltag berücksichtigt werden können. Dabei geht es ausdrücklich auch um Ansätze, die ohne zusätzliche Programme, neue Aufgaben oder umfangreiche finanzielle Mittel auskommen. Wie können Fachkräfte ihre bisherige Praxis reflektieren? Welche Bedeutung haben die Perspektiven von Tatbetroffenen und Tatverantwortlichen? Und wie lassen sich Fragen nach Verantwortung, Gerechtigkeit und den Folgen von Straftaten innerhalb der bestehenden institutionellen Bedingungen bearbeiten?


In einem ersten Schritt untersuchen wir, welche Praktiken, Leitlinien und Fortbildungsangebote zu Restorative Justice im Strafvollzug in verschiedenen europäischen Ländern bereits existieren. Die Ergebnisse werden in einem vergleichenden Bericht zusammengeführt. Darauf aufbauend findet ein zweitägiger transnationaler Workshop statt, bei dem Fachkräfte ihre Erfahrungen austauschen, unterschiedliche berufliche Perspektiven kennenlernen und gemeinsam über Möglichkeiten und Grenzen restaurativer Ansätze nachdenken können. Aus diesen Erkenntnissen entwickeln wir praxisnahe Informations- und Bildungsmaterialien. Geplant sind unter anderem druckbare Leitfäden, kurze Videos und ein digitales Handbuch. Die Materialien sollen europaweit zugänglich sein und Fachkräften eine fachlich fundierte Orientierung ermöglichen.


In meiner Arbeit als Restorative Justice-Praktikerin und Entwicklerin des Handlungskonzepts „Betroffenenorientiertes Arbeiten im Strafvollzug“ (BoAS) beschäftige ich mich seit Jahren mit der Frage, wie innerhalb eines stark reglementierten Systems Räume für Begegnung, Perspektivwechsel und Verantwortungsübernahme entstehen können. Die Erfahrungen aus unseren Kreisdialogen zeigen mir, wie bedeutsam es ist, Menschen mit ihren unterschiedlichen Perspektiven und Erfahrungen tatsächlich zu Wort kommen zu lassen. Zugleich erlebe ich, dass Restorative Justice noch immer sehr unterschiedlich verstanden wird und die Auseinandersetzung mit ihren ethischen Grundlagen, Möglichkeiten und Grenzen keineswegs selbstverständlich ist.

Restorative Justice lässt sich nicht auf einzelne Dialogverfahren reduzieren. Die dahinterstehende Haltung wirft grundsätzliche Fragen auf: Wie begegnen wir Menschen, die schwere Straftaten begangen haben? Welche Bedeutung haben die Erfahrungen und Bedürfnisse der Tatbetroffenen? Wie gehen wir mit Machtverhältnissen, institutionellen Zwängen und unterschiedlichen Vorstellungen von Gerechtigkeit um? Und wie können Mitarbeitende im Strafvollzug diese Fragen in ihre berufliche Reflexion einbeziehen?

Gerade deshalb halte ich es für sinnvoll, dass wir uns im Projekt auch mit den bestehenden Handlungsmöglichkeiten beschäftigen. Nicht jede restorative Praxis setzt einen organisierten Dialog zwischen Tatbetroffenen und Tatverantwortlichen voraus. Und wir dürfen die besonderen Anforderungen an Freiwilligkeit, Sicherheit und fachliche Verantwortung nicht aus dem Blick verlieren. Ich freue mich darauf, meine Erfahrungen aus der praktischen Arbeit im deutschen Strafvollzug in das Projekt einzubringen, von den Erfahrungen unserer europäischen Partner zu lernen und gemeinsam Materialien zu entwickeln, die eine differenzierte Auseinandersetzung mit Restorative Justice für Justizvollzugsbedienstete ermöglichen.


Mit „Common Ground“ möchten wir dazu beitragen, dass Fachkräfte in europäischen Justizsystemen eine gemeinsame fachliche Grundlage entwickeln können, um restorative Prinzipien besser zu verstehen, kritisch zu reflektieren und verantwortungsvoll in ihre berufliche Praxis einzubeziehen.


Weitere Informationen zum Erasmus+-Projekt „Common Ground“:

 
 
 

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