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Großzügigkeit, eine Utopie? Entgegenkommen in Zeiten der Verluste 26.-28. August 2026 | Leuphana Universität Restorative Justice und Großzügigkeit

  • vor 4 Tagen
  • 2 Min. Lesezeit
Bild: Leuphana
Bild: Leuphana

Ich freue mich sehr, in diesem Jahr Teil der Utopie-Konferenz der Leuphana Universität Lüneburg Großzügigkeit, eine Utopie? | Auf zur Utopie-Konferenz 2026 zu sein. Vom 26. bis 28. August treffen dort Menschen aus Wissenschaft, Praxis, Politik, Kunst und Zivilgesellschaft zusammen, um der Frage nachzugehen, wie eine großzügige Gesellschaft aussehen könnte, gerade in einer Zeit, die vielerorts von Verhärtung, Polarisierung und Vergeltungslogiken geprägt ist Leuphana Universität


Ich werde einen Denkraum zum Thema „Restorative Justice und Großzügigkeit“ begleiten. Dass diese beiden Begriffe zusammengehören, erscheint auf den ersten Blick vielleicht ungewöhnlich? Für mich liegen sie jedoch eng beieinander...Restorative Justice wird häufig mit Verfahren wie Täter-Opfer-Ausgleich oder Mediation in Verbindung gebracht. Tatsächlich geht es um weit mehr. Aus meiner mittlerweile 10-jährigen Erfahrung der Durchführung von restorativen Kreisdialogen nach meinem Konzept "Betroffenenorientierte Arbeiten im Strafvollzug (BoAS)" in Gefängnissen geht um die Frage, wie wir auf erlittenes Unrecht reagieren wollen. Ob wir Menschen ausschließlich auf ihre schlimmste Tat reduzieren oder ob wir Räume schaffen, in denen Verantwortung übernommen, Verletzungen anerkannt und neue Wege des Miteinanders möglich werden. Großzügigkeit bedeutet dabei für mich keineswegs, Unrecht zu relativieren oder Grenzen aufzugeben. Im Gegenteil. Sie beginnt dort, wo wir bereit sind, die Komplexität menschlichen Handelns auszuhalten. Wo wir neugierig bleiben, anstatt vorschnell zu urteilen. Wo wir den Mut haben zuzuhören, nämlich auch dann, wenn das Gegenüber uns irritiert oder herausfordert.


In meiner Arbeit im Strafvollzug und in der Restorative Justice erlebe ich immer wieder, wie tiefgreifend sich Begegnungen verändern können, wenn Menschen sich sicher genug fühlen, ehrlich über Verantwortung, Schuld, Schmerz und Hoffnung zu sprechen. Solche Räume entstehen nicht zufällig. Sie brauchen Zeit, Vertrauen und eine sorgfältige Gestaltung. Und sie brauchen die Bereitschaft, den anderen Menschen nicht auf eine Rolle festzulegen weder als Täter:in noch als Betroffene:r. Was es noch für diese restorativen Begenungsräume braucht? Da werde ich bald ausführlicher etwas schreiben!


Ich möchte mit den Teilnehmenden ins Gespräch kommen, möchte lauschen, mich zurücklehnen und auch reden über lange Wege. Mich interessiert, welche Rolle Großzügigkeit in Konflikten spielen kann, ohne naiv zu werden. Wie wir Verantwortung stärken können, ohne zu beschämen. Wie gesellschaftlicher Zusammenhalt entstehen kann, wenn wir nicht zuerst nach Vergeltung fragen, sondern danach, was Menschen brauchen, damit Heilung, Wiedergutmachung und Veränderung überhaupt möglich werden.

Ich wünsche mir Denkräume, in dem unterschiedliche Erfahrungen und Perspektiven nebeneinander Platz haben. Räume, in dem Fragen wichtiger sind als schnelle Antworten (vielleicht gibt es auch noch keine Antworten und wir wachsen -frei nach Rilke- hinein?) und in dem gemeinsam erkundet werden kann, welche Kraft Restorative Justice für eine demokratische, menschenwürdige und zukunftsfähige Gesellschaft entfalten kann.

Denn vielleicht beginnt Großzügigkeit genau dort, wo wir bereit sind, Menschen mehr zuzutrauen als ihre Vergangenheit und Beziehungen wichtiger zu nehmen als Zuschreibungen. Ich freue mich sehr auf inspirierende Begegnungen, neue Gedanken und den gemeinsamen Austausch in Lüneburg.


Wer selbst Lust bekommen hat, an der Utopie-Konferenz teilzunehmen, findet weitere Informationen sowie das Programm hier: Utopie-Konferenz 2026 der Leuphana Universität



Bild: Leuphana
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