Restorative Justice braucht Beziehung. Und sie braucht vertrauensvolle Zusammenarbeit in der Umsetzung eines RJ-Verfahrens.
- 4. Juli
- 2 Min. Lesezeit

Seit 2016 begleite ich als eine der Praxis-Pionier:innen von Restorative Justice-Kreisdialogen in Deutschland Menschen und Institutionen dabei, restorative Prozesse aufzubauen und zu gestalten. Dabei arbeite ich konsequent traumainformiert. Denn wer Verantwortung und Dialog fördern möchte, muss verstehen, welche Auswirkungen traumatische Erfahrungen auf Denken, Fühlen und Handeln haben, auf Seiten der Betroffenen ebenso wie auf Seiten der tatverantwortlichen Personen. Immer wieder erlebe ich, dass gelingende Restorative Justice dort entsteht, wo Menschen bereit sind, Verantwortung gemeinsam zu tragen und miteinander in Beziehung zu gehen. Ein Kreis gelingt nicht, weil eine Methode angewendet wird. Er gelingt, wenn Vertrauen wächst. Wenn sich alle Beteiligten gut vorbereitet fühlen. Wenn Rollen klar sind. Wenn unterschiedliche fachliche Perspektiven zusammenkommen und nebeneinander stehen (dürfen). Wenn Sicherheit entsteht. Und wenn alle bereit sind, zuzuhören, bevor sie antworten. Besonders spannend wird es, wenn aus einer gemeinsamen Idee eine gemeinsame Haltung entsteht.
Nun ist der 2. Täter-Opfer-Kreis (TOK) in der Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Brackwede abgeschlossen. Ein sehr engagiertes Team hat auch auf Grundlage meiner Restorative Justice-Rahmenkonzeption Betroffenenorientiertes Arbeiten im Strafvollzug (BoAS), die ich bei einer Kick-Off-Veranstaltung 2020 in der Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Brackwede präsentieren durfte, eine eigene, passgenaue Konzeption für "ihre" Justizvollzugsanstalt entwickelt. Genau darin liegt für mich nachhaltige Implementierung: ein Konzept nicht 1:1 zu übernehmen, sondern es im Team (gemeinsam weiter) zu entwickeln und an den jeweiligen Kontext anzupassen. Ich verstehe meine Rolle als externe RJ-Praktikerin und Trainerin nicht darin, fertige Lösungen vorzugeben oder auf etwas zu "bestehen", weil ich es aus Erfahrung unter Umständen für wirkungsvoller halte. Meine Aufgabe ist es, Räume zu öffnen, Wissen und Erfahrung weiterzugeben, Prozesse zu begleiten und Teams dabei zu unterstützen, ihre eigene restorative Haltung und ein passgenaues Verfahren zu entwickeln, bzw. weiter zu entwickeln. Dass diese meine Rolle gewollt und angenommen wird, ist für mich bei jeder Zusammenarbeit eine notwendige Voraussetzung. Im interinstitutionellen Kooperationsbündnis mit unterschiedlichen Machtasymmetrien und unterschiedlichen systemimmanenten "Sprachen" ist die Zusammenarbeit anspruchsvoll. Wenn die Erfahrungen und das Engagement der JVA-Bediensteten, das Wissen über den Vollzugsalltag und eine traumainformierte restorative Praxis zusammenfinden, entsteht mehr als ein Kreis. Es entsteht eine Kultur der Verantwortung, der Begegnung und des Lernens.
Restorative Justice lebt von Menschen, die bereit sind, gemeinsam neue Wege zu beschreiten. Es ist ein Privileg, solche Prozesse begleiten zu dürfen. Und ich möchte noch einmal meine Demut und meinen Dank gegenüber allen Teilnehmenden ausdrücken für ihren Mut und ihre Hoffnung auf Verbindung und Menschlichkeit. Der Bediensteten der JVA aus dem Sozialdienst, mit der ich den Kreis gemeinsam durchgeführt habe, gebührt meine Wetschätzung für ihre Professionalität, das Engagement und den Mut.









Kommentare