Internationale Arbeitsgruppe goes Niederlande. Restorative Justice und Inhaftierung: Gemeinsam neue Wege entwickeln

In der Arbeitsgruppe „Restorative Justice and Imprisonment“ des European Forum for Restorative Justice (EFRJ) beschäftigen wir uns mit der Frage, wie restorative Gerechtigkeit in allen Phasen und Formen des Freiheitsentzugs gestärkt werden kann. Dabei verstehen wir Inhaftierung nicht ausschließlich als rechtlichen oder physischen Zustand, sondern als eine menschliche Erfahrung, deren psychosoziale Auswirkungen weit über die Haftzeit hinausreichen.
Im Mittelpunkt stehen die Menschen und ihre Beziehungen: Betroffene von Straftaten, inhaftierte Personen, Angehörige, Mitarbeitende und die Gemeinschaften, die von Straftaten und Inhaftierung betroffen sind. Restorative Justice eröffnet Möglichkeiten, erlittenes Unrecht anzuerkennen, Verantwortung zu übernehmen, Beziehungen zu stärken und die gesellschaftliche Wiedereingliederung zu unterstützen. Gleichzeitig gilt es, die besonderen Herausforderungen geschlossener Institutionen, institutionelle Machtverhältnisse und strukturelle Barrieren zu berücksichtigen.
Meine Mitarbeit in dieser Arbeitsgruppe verbindet diese internationalen fachlichen Perspektiven mit meiner praktischen Erfahrung im Strafvollzug und meinem Konzept des betroffenenorientierten Arbeitens im Strafvollzug (BoAS). Ein Schwerpunkt liegt auf der Frage, wie die Bedürfnisse und Erfahrungen von Betroffenen bereits bei der Gestaltung restorativer Prozesse berücksichtigt werden können und welche Voraussetzungen es braucht, damit Begegnungen sicher, freiwillig und respektvoll stattfinden.
Auf der 13. Internationalen Konferenz des European Forum for Restorative Justice in Poznań im Juni 2026 haben wir ein Training durchgeführt, in dem wir Methoden aus dem User-Experience-Design nutzten, um die mögliche Erfahrung einer geschädigten Person im Zusammenhang mit einem restaurativen Verfahren im Strafvollzug nachvollziehbar zu machen. Gemeinsam untersuchten wir, welche Fragen, Unsicherheiten und emotionalen Herausforderungen auf dem Weg zu einem solchen Dialog entstehen können und welche Informationen, Unterstützung und Wahlmöglichkeiten Betroffene benötigen. Siehe Blogbeitrag. Anknüpfend an diesen Workshop haben wir uns im September 2026 an der Avans University in ’s-Hertogenbosch für drei Tage getroffen, um an unseren gemeinsamen Zielen weiterzuarbeiten. Im Mittelpunkt steht die Weiterentwicklung des Trainings: Wir möchten die einzelnen Phasen eines restorativen Verfahrens genauer betrachten, die Betroffenenperspektive systematischer einbeziehen und konkrete Ansatzpunkte für eine Verbesserung der Praxis erarbeiten.
Unser Ziel ist es, aus den bisherigen Erfahrungen ein praxistaugliches Trainingskonzept zu entwickeln, das sich an unterschiedliche europäische Vollzugskontexte anpassen lässt. Dabei geht es nicht nur um einzelne restorative Methoden, sondern auch um die Frage, wie sich institutionelle Kulturen weiterentwickeln können, damit Menschenwürde, Verantwortungsübernahme und soziale Verbundenheit stärker in den Mittelpunkt rücken. Wir haben hart gearbeiten und sind sehr viel weitergekommen mit der Überarbeitung des bereits vorhandenen Trainings, einem dazugehörigen Manual und einem Positionspapier. Doch es liegt noch viel Arbeit vor uns.
Für mich liegt die besondere Bedeutung und die Freude dieser Zusammenarbeit darin, internationale fachliche Erkenntnisse mit praktischer Erfahrung zu verbinden. Restorative Justice sollte nicht an den Gefängnismauern enden. Sie kann dazu beitragen, neue Perspektiven zu eröffnen, Beziehungen zu stärken und Brücken zwischen Inhaftierung, Rehabilitation und gesellschaftlicher Wiedereingliederung zu bauen.









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