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Warum ist Restorative Justice im Strafvollzug für Sie persönlich wichtig?

  • vor 6 Tagen
  • 2 Min. Lesezeit

Poznań 2026

13th International Conference of the European Forum for Restorative JusticeEchoes of Restorative Encounters: Voices, Evidence, and the Ripple Effects of Restorative Justice in ActionSWPS University in Poznań (Poland), 11-13 June 2026


Im Rahmen der kommenden Konferenz des European Forum for Restorative Justice in Poznań bereitet unsere Arbeitsgruppe „Restorative Justice und Freiheitsentzug“ derzeit einen spannenden Workshop vor. Gemeinsam mit Kolleg:innen aus verschiedenen Ländern möchten wir dort der Frage nachgehen, warum Restorative Justice gerade im Kontext von Gefängnis und geschlossenen Institutionen von besonderer Bedeutung ist. Welche Erfahrungen, Herausforderungen und Möglichkeiten ergeben sich aus der praktischen Arbeit wohl? Unser Workshop wird Raum für Austausch, Reflexion und internationale Perspektiven auf restorative Ansätze im Strafvollzug schaffen.


Die oben gestellte Frage ist eine der spannenden Impulse, die wir als Arbeitsgruppe setzen wollen. Also beantworte ich es mir erst einmal selber: Für mich ist Restorative Justice im Strafvollzug wichtig, weil Freiheitsentzug allein selten zu echtem Verständnis, Verantwortungsübernahme oder Heilung führt. Ich bin überzeugt davon, dass Menschen mehr sind als die schlimmste Tat, die sie begangen haben. Gleichzeitig müssen die Erfahrungen, Folgen und Bedürfnisse von Betroffenen von Straftaten im Justizsystem endlich stärker sichtbar und hörbar werden. In Restorative Justice-Kreisdialogen im Gefängnis habe ich immer wieder erlebt, wie Begegnungen Räume schaffen können, in denen Verantwortung, Empathie und menschliche Verbindung möglich werden. In diesen sorgfältig vorbereiteten und professionell begleiteten Kreisdialogen begegnen sich Betroffene von Straftaten, inhaftierte Menschen und Vertreter:innen der Gesellschaft jenseits von Zuschreibungen und Rollenbildern. Dinge, die oft unausgesprochen bleiben, können dort erstmals ausgesprochen werden. Unsichtbares wird sichtbar.


Meine Arbeit basiert auf der Überzeugung, dass Resozialisierung und betroffenenorientiertes Arbeiten keine Gegensätze sind. Im Gegenteil: Eine nachhaltige Wiedereingliederung in die Gesellschaft braucht die Auseinandersetzung mit Tatfolgen im besten Fall durch das Hören/Sehen/Fühlen der Tatgeschichten von Betroffenen, Verantwortung und den Auswirkungen von Gewalt und Straftaten. Restorative Justice kann diesen Prozess unterstützen, indem sie Dialog, emotionale Reflexion und soziale Verantwortung stärkt.


Mit meinem Konzept „Betroffenenorientiertes Arbeiten im Strafvollzug (BoAS)“ schaffe ich traumasensible und sichere Räume innerhalb des Strafvollzugs, in denen echte Begegnung möglich wird. Solche Prozesse brauchen Vertrauen, professionelle Vorbereitung, psychologische Sicherheit und interdisziplinäre Zusammenarbeit. Gerade im Strafvollzug halte ich unabhängige externe Fachlichkeit für essenziell, um Neutralität, Vertrauen und Allparteilichkeit zu gewährleisten.


Nach vielen Jahren der Begleitung von Restorative Justice-Projekten im Gefängnis berührt mich der Mut aller Beteiligten immer wieder aufs Neue. Ich erlebe, dass selbst in einem System, das stark von Strafe und Ausschluss geprägt ist, Momente von Menschlichkeit, Würde und Veränderung möglich werden können.


Deshalb ist Restorative Justice im Strafvollzug für mich wichtig: weil ich daran glaube, dass Gerechtigkeit nicht nur bestrafen, sondern auch Verantwortung, Heilung, Wiederannäherung und gesellschaftlichen Frieden ermöglichen sollte.


 
 
 

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