Fachtag „Staat und Zivilgesellschaft in der Extremismusprävention- Neue Wege der interdisziplinären Zusammenarbeit in der Justiz“. Ein lebendiger Workshop zu Restorative Justice im Strafvollzug
- vor 17 Stunden
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Im Rahmen eines bundesweiten Fachtags zur Extremismusprävention im Kontext Justiz vom Violence Prevention Network e.V. am 15.06.2026 in Berlin im Umweltforum hatte ich die Gelegenheit, einen Workshop zum Thema Restorative Justice (RJ) in Präsens und im Livestream mit über 100 Teilnehmenden zu gestalten. Die Veranstaltung brachte Vertreter aus der zivilgesellschaftlichen Praxis, aus Justizvollzugsanstalten, der Bewährungshilfe, Polizei und Sicherheitsbehörden, Landesdemokratiezentren, Wissenschaft sowie verschiedenen Verbänden und Ministerien zusammen. Ziel des Fachtags war es, unterschiedliche Berufsgruppen miteinander ins Gespräch zu bringen und neue Perspektiven auf Präventions- und Interventionsarbeit zu eröffnen.
Mein Workshop widmete sich der Frage, welchen Beitrag Restorative Justice im Umgang mit den Folgen von Extremismus und Gewalt leisten kann. Zu Beginn gab ich eine theoretische Einführung in die Grundgedanken von Restorative Justice. Im Mittelpunkt stand dabei die Überlegung, dass Kriminalität und Gewalt nicht allein als Regel-verletzungen verstanden werden, sondern vor allem als Verletzungen von Menschen, Beziehungen und Gemeinschaften. Restorative Justice fragt deshalb danach, welche Auswirkungen eine Tat auf Betroffene hat, wer Verantwortung für die entstandenen "Schäden" übernehmen kann und welche Schritte notwendig sind, um Heilung, Wiedergutmachung und gesellschaftliche Teilhabe zu fördern. Besonders wichtig war mir dabei, die Perspektive der Betroffenen sichtbar zu machen. Während strafrechtliche Verfahren häufig auf die Tat und die tatverantwortliche Person fokussieren, richtet Restorative Justice den Blick auf die Erfahrungen, Bedürfnisse und Folgen für die unmittelbar und mittelbar Betroffenen. Gerade im Kontext extremistischer Straftaten stellt dies eine wichtige Ergänzung zu bestehenden Ansätzen dar.
Im zweiten Teil des Workshops konnten die Teilnehmenden die Prinzipien von Restorative Justice unmittelbar erleben. In einer Kreissimulation in einer fiktiven Haftanstalt übernahmen sie unterschiedliche Rollen und Perspektiven. Neben direkt Betroffenen und tatverantwortlichen Personen wurden auch Mitglieder der Zivilgesellschaft einbezogen. Ziel war es, die Dynamiken eines restorativen Dialograums erfahrbar zu machen und die unterschiedlichen Bedürfnisse, Gefühle und Verantwortlichkeiten sichtbar werden zu lassen. Die intensive Beteiligung der Teilnehmenden zeigte, wie schnell ein vertrauensvoller und konstruktiver Austausch entstehen kann, wenn Menschen die Möglichkeit erhalten, Perspektiven zu wechseln und einander zuzuhören. Viele Rückmeldungen machten deutlich, dass insbesondere die emotionale Tiefe der Übung sowie die konsequente Einbeziehung der Betroffenenperspektive als bereichernd erlebt wurden. Für einige Teilnehmende eröffnete sich dadurch ein neuer Blick auf die eigene berufliche Praxis und die Frage, wie Betroffene künftig stärker einbezogen werden können.
Besonders beeindruckend war die Offenheit, mit der die Teilnehmenden ihre Erfahrungen, Fragen und Unsicherheiten einbrachten. Der Workshop zeigte, dass Restorative Justice nicht nur ein methodischer Ansatz ist, sondern auch eine Haltung: die Bereitschaft, Menschen zuzuhören, Verantwortung zu fördern und Räume für Begegnung und Verständigung zu schaffen.
Der Fachtag insgesamt verdeutlichte eindrucksvoll, welchen Mehrwert interdisziplinäre Vernetzung und gemeinsames Lernen für die Extremismusprävention haben können. Es wurden neue Kontakte geknüpft, Kooperationen angestoßen und Impulse für die weitere Praxis entwickelt. Für mich war die Veranstaltung ein ermutigendes Beispiel dafür, wie unterschiedliche Professionen miteinander ins Gespräch kommen können, um gemeinsam über wirksame und menschenorientierte Wege im Umgang mit Konflikten, Gewalt und gesellschaftlichen Spannungen nachzudenken.









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